Wewelsburg 1933-1945

Wewelsburg 1933-1945 Kult und Terror der SS
Bauherr Gedenkstätte Wewelsburg
Kastner Pichler Architekten in Zusammenarbeit mit Gerd Fleischmann   
geladener Wettbewerb 2005
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Ausstellung im 1. Untergeschoss des Wachgebäudes
Die vier ,Erzählebenen‘ der Ausstellung werden in vier Spuren angelegt, die parallel und orthogonal zueinander  erlaufen. Das erlaubt didaktisch und thematisch unterschiedliche Verwendungen des Angebotes. Die vorhandenen Räume und Oberflächen werden entsprechend bearbeitet oder belassen. Die Stimmungen der Räume unterstützen die Inhalte: Zunächst spielt die Architektur eine untergeordnete Rolle, wenn es um Information geht, auf dem Weg zur Gräfte und der Burg wird das Baugeschehen mehr und mehr Thema, schließlich erlebt man in der „Gruft“, im Weinkeller, im Arkadengang und im ehemaligen Casino den SS-Bau hautnah.
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Die wichtigen örtlichen Ereignisse (Haupterzählebene) begleiten den Besucher als Nachrichtenstrang mit klar markierter Chronologie entlang der Wand des ehemaligen Luftschutzraumes. Für einzelne dreidimensionale Exponate in der Haupterzählebene werden Vitrinen in die Wand geschnitten, die einen Durchblick in Vertiefungsbereiche dahinter erlauben und von da auch zurück auf den Hauptweg und in die gegenüber stehenden Vertiefungsbereiche. Die durch Stützen, Unterzüge und neue Haustechnik unruhigen Räume erhalten einen graphitfarbenen Anstrich. Der Fliesenboden wird hellgrau überzogen. Im Bereich der Nordterrasse wird die Wand mit einer Betonscheibe ergänzt, um den Gedenkraum zu akzentuieren und zu schützen.
Die Vertiefungsbereiche finden in eingestellten Räumen und zum Teil in dem ehemaligen Luftschutzraum Platz. Dazu soll der vielgestaltige Raum weiter entkernt und zusätzliche Zugänge in die Längswand geschnitten werden. Die Exponate und Texte sind entweder hinterleuchtet oder in Vitrinen, die in die neuen Wände geschnitten sind.
Die Panoramen zur Geschichte der SS werden über abgehängte Monitore als Filme präsentiert mit stichwortartigen Übersichten und Wahltasten an benachbarten Stützen.
Die Baugeschichte und Architektur in Wewelsburg werden punktuell an den Stellen Thema, wo authentische Spuren und Materialien erhalten sind (etwa: „Nicht rauchen” im ehemaligen Luftschutzraum, der Zugang zur Schleuse vom Mittelgang aus) und auf einer transluzenten Scheibe vor dem Fensterband. Die Scheibe soll auch dazu dienen, die Konzentration im Ausstellungsraum zu erhöhen. Visuelle Störungen von außen werden vermieden. Die Haupterzählebene, die durch ein zum Erinnerungsraum hin konvergierendes Lichtband unterstrichen wird, und die bauhistorische Ebene der transluzenten Scheibe verlaufen parallel zueinander, die Vertiefungsbereiche bilden Inseln in den Räumen, die Panoramen verlangen eine Betrachtung über die Zeit.
Das Lagermodell und Exponate zum KZ Niederhagen erhalten einen eigenen Raum, der mit dem angrenzenden Raum zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Häftlinge (3.3 ) durch eine streifenförmig durchbrochene Wand verbunden ist. Von diesem neu geschaffenen Raum aus führt ein alternativer Weg in den Gedenkraum mit den Namen aller Opfer und weiter in den Erinnerungsraum mit Bild- und Tondokumenten von Überlebenden. Dieser von Häftlingen gebaute Raum ist als Teil der Nordterrasse zugleich auch ein Bauzeugnis.
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Präsentation der Baupläne im 2. Untergeschoss des Wachgebäudes
Die gigantomanischen Vorhaben der SS für Wewelsburg sind für Laien aus den erhaltenen Lageplänen schwer lesbar. Sie sollen daher auf der Haupterzählebene durch ein virtuelles, begehbares Modell dargestellt werden, das die Gratwanderung zwischen Faszination und Mahnung leistet. Dazu steht im Arkadengang ein Computer-Arbeitsplatz mit einem großen Bildschirm. Die Pläne selbst werden nicht permanent offen gezeigt, sondern in einem Schrank hinter vertikal stehenden Scheiben montiert und können zur Ansicht aus dieser „Plankammer“ gezogen werden, die einen direkten Weg in das ehemalige Casino verstellt. Einzelne Aspekte des Wachgebäudes, wie etwa Pläne für die Nordterrasse, werden als Faksimile auf die neuen Glasscheiben gedruckt, die die Bögen abschließen.
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Präsentation von Allach – Porzellan im 2. Untergeschoss des Wachgebäudes
Der gesamte Bestand von Stücken der Porzellan-Manufaktur Allach und Bohemia wird an der Spitze des Lagerraumes hinter dem Arkadengang auf dem gereinigten, unbehandelten Boden platziert und mit einer von Wand  zu Wand reichenden, geneigten Glasscheibe geschützt. Der Raum ist hell beleuchtet und hat Verhör-Atmosphäre.