Stauffenberg Erinnerungsstätte

Stauffenberg Erinnerungsstätte im Alten Schloss Stuttgart
Bauherr Haus der Geschichte Baden Wüttemberg
Kastner Pichler Architekten in Zusammenarbeit mit Gerd Fleischmann
Wettbewerb 2005, 1.Preis
Fertigstellung 2006
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Das Alte Schloß in Stuttgart ist im Hinblick auf die Brüder Berthold und Claus Schenk von Stauffenberg ein authentischer Ort. Die räumliche Nähe zu den Dienstzimmern des Vaters und das Schloß als Gebäude sind Teil ihrer Kindheitserlebnisse.
Der Raum der Stauffenberg-Erinnerungsstätte ist das ehemalige Archiv, ein Raum also, der Wissen bewahrend ehemals seine Bestimmung hatte und heute in neuer Interpretation und didaktischer Weise diese wieder aufnimmt. Ein Raum im Alten Schloß ist als authentischer Ort selbst Exponat und bleibt unverstellt. Die Wände werden mit einem sandfarbenen Sanierputz hauchdünn geschlämmt ohne die authentischen Steinschichten darunter zu verdecken. Die Schlämme bleibt unbehandelt und zeigt ihre Struktur in Überlagerung mit den Mauern darunter. Zusammen mit dem Betonboden entsteht ein „monochromer“ Raum ohne zwingende zeitliche Zuordnung. Der Raum des Schlosses – das Alte Archiv – soll „leer“ bleiben.
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Die Bedeutung der Brüder von Stauffenberg, stellvertretend für den Weg von Begeisterung für das Dritte Reich bis zum des Widerstand gegen das NS-Regime, kann an dem missglückten Attentat am 20.Juli 1944 fest gemacht werden.
Im Spannungsbogen zwischen der Erziehung der Brüder von Stauffenberg und ihrer Hinrichtung wird in die Mitte des Raumes ein abstrahiertes Bild des großen Lagebesprechungstisches gezeichnet: Der Tisch als Symbol für den „Tatort“ im Führerhauptquartier Wolfsschanze. Das Bild ist so zurück genommen, dass es als Tisch erst auf dem zweiten Blick erkennbar ist. Die Assoziation bleibt offen – eine schwere, ruhige Form, die nur in Proportion und Größe als ein Lagebesprechungstisch identifizierbar ist, wie er in der Wolfsschanze Ort des Attentats war.
Der Tisch in seiner monochromen Materialität ist wie ein erratischer Block, wie eine manifestierte Erinnerung an ein missglücktes Attentat, mit der die Brüder von Stauffenberg und mit ihnen der gesamte Widerstand im Dritten Reich versinnbildlicht werden. Diesen erratischen Block begleiten Klangcollagen. Sie ermöglichen dem Besucher, sich emotional und intellektuell in die Lebenswelt derer von Stauffenberg einzufühlen. Ausgewählte Klänge und Sequenzen aus Richard Wagners Werk, Lesungen aus den Arbeiten von Stefan George, Militärmusik-Sequenzen und Nietzsche-Zitate transportieren akustische Signale aus der damaligen Zeit in die heutige und geben auf akustische und emotional lenkende Weise einen Eindruck vom aufgeklärten und gleichzeitig patriotisch-militärische Bildungs- und Lebensspektrum derer von Stauffenberg. Sie werden über verschiedene, möglichst nicht sichtbare (in die Wände und Gewölbe eingelassene) Tonkörper langsam ein- und ausgeblendet, sodass eine dreidimensionale Stimmungs- und Klangskulptur entsteht.
Der Klang- und Gedenkraum mit dem Tisch als zentralem Element soll ohne Ablenkung, ohne direkt sichtbare Störung durch einzelne Exponate bleiben.
Die didaktisch notwendigen Exponate und Informationen werden in den Wandungen der Fensternischen gezeigt. Exponatträger und –Vitrinen werden als einzelne Kassetten ausgebildet. Die Informationen, die eine vergangene Zeit zeigen, ohne Aktualität zu verlieren, bilden mit den historischen Wänden des Schlosses eine Einheit und bestätigen so die Authentizität des Ortes. Sie bilden Fenster in die historischen Wände hinein, die selbst wiederum die vergangene Zeit verkörpern. Diese „Fenster in die Vergangenheit“ bilden bündig mit den Nischenwandungen dreidimensionale Schaukästen, die nur zur „Lesbarkeit“ der Exponate punktuell beleuchtet sind. Schützende Verglasungen bilden mit durchsichtiger Bedruckung zusätzliche Schichten. In wenigen Stellen sind bündig eingebaute Monitore mit wechselnden Informationen denkbar.Die Exponatkassetten bilden gemeinsam mit dem einfallenden Tageslicht der transluzent verdeckten Gebäudeaußenfenster die einzigen Lichtquellen. Sie verwehren zugleich den direkten Blick nach außen und erzeugen ein kontemplatives Licht.
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